Newsletter kija Sbg 03/14

Liebe FreundInnen der kija Salzburg, sehr geehrte Damen und Herren,

die Kinderrechte in Österreich befinden sich in einer ambivalenten Situation. Zum einen ermöglichen gerade jetzt erst jüngst beschlossene Gesetze die Verbesserung der Situation in manchen Bereichen (z. B. Trennung & Scheidung), doch zeitgleich werden andere Errungenschaften bereits eingebremst oder gar kaputtgespart. Im Kinderrechte-Jubiläumsjahr (25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention und 25 Jahre Gewaltverbot in der Erziehung) gibt es also einerseits Grund zum Feiern, doch gleichzeitig macht sich Frust breit. Jetzt geht es darum, kinderrechtliche Errungenschaften zu verteidigen und weitere Verbesserungen einzufordern.


5. Salzburger Kinderrechtspreis

Zum fünften Mal vergeben akzente Salzburg, der Verein Spektrum und die kija Salzburg heuer den Salzburger Kinderrechtspreis. Dieses Jahr steht der Preis ganz unter dem Motto "25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention". Denn obwohl die UN-Kinderrechtskonvention einer der beliebtesten internationalen Verträge überhaupt ist und von fast allen Staaten der Welt unterzeichnet wurde, hapert es an der Umsetzung. Deshalb wollen wir IHR Engagement für die Kinderrechte in den Mittelpunkt rücken!

Wer - wie - wann?

Mitmachen können Kinder & Erwachsene, Vereine & Schulklassen und natürlich auch Wirtschaftsbetriebe. Zu gewinnen gibt es neben der Anerkennung für das Engagement auch Geld- & Sachpreise. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 7. Juli 2014, eingereicht werden können Projekte aus dem EuRegio-Raum.

Zum Auftakt der Bewerbung am 31. März luden die VeranstalterInnen zu einem Kinderrechtefrühstück mit Menschenrechtsexperten Helmut Sax. Dieser spannte den Bogen von den Anfängen der UN-Kinderrechtskonvention bis zu den Baustellen, vor denen wir heute stehen. Für die zahlreichen Gäste gab es jedenfalls viele Anregungen, wo man durch persönliches Engagement die Verankerung der Kinderrechte weiter voranbringen könnte.

Weitere Infos:

Presseaussendung; www.weltkindertag-salzburg.at


Frühe Hilfen - österreichweite Entwicklung

Wie wichtig geglückte Bindungen für das gesunde Heranwachsen von Kindern sind, das ist hinreichend bekannt. Welche Rahmenbedingungen aber das Wachsen dieser Bindungen fördern können, war Anfang März Thema der spannenden Tagung "Zwischen den Welten - Spannung und Balance in der Frühen Kindheit" in Salzburg. Die neuesten Erkenntnisse der internationalen ReferentInnen lohnen, nachgelesen zu werden.

Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt leitete einen Workshop zu aktuellen Entwicklungen und Praxismodellen in Österreich. Momentan ist Vorarlberg das einzige Bundesland, das die Frühen Hilfen bereits in den Regelbetrieb übernommen hat (www.netzwerk-familie.at). In fünf weiteren Bundesländern finanziert die GKK im Rahmen von Modellprojekten frühe Hilfssysteme für frisch gebackene Eltern, in Salzburg gibt es ein Bekenntnis aus den Gesundheits-, Familien- und Sozialressorts, in diesem Bereich verstärkt zusammenzuarbeiten.

Genau diese enge Verzahnung zwischen medizinischer und psychosozialer Hilfe auf Augenhöhe, gebündelt in einem Zentrum, macht die Frühen Hilfen aus. Ausgehend von diesem Zentrum sollen Familienhebammen in der ersten Zeit alle Jungfamilien regelmäßig zu Hause besuchen. Dabei muss, um von den Eltern gut angenommen zu werden, die Hilfe im Vordergrund stehen, nicht die Kontrolle.

Mehr Infos:

Tagungsbeiträge; www.fruehehilfen.at; www.kinderjugendgesundheit.at


KIJAS diskutieren Familienpaket

Ende März fand in Vorarlberg die halbjährlich tagende Konferenz der Kinder- und JugendanwältInnen Österreichs statt. Einen inhaltlichen Schwerpunkt stellte das Paket rund um das neue Familiengesetz (KindNamRÄG 2013) - von der gemeinsamen Obsorge über die verpflichtende Elternberatung bei einvernehmlicher Scheidung bis hin zur Einführung der Familiengerichtshilfe - dar. Als Experte war dazu Peter Barth, leitender Staatsanwalt im Justizministerium, vor Ort. Er teilte mit, dass die Auswirkungen dieses Paketes 2016 evaluiert werden sollen. Gut angenommen wird mittlerweile der Kinderbeistand bei strittigen Trennungsverfahren (im vergangenen Jahr 419 Mal). Nach diesen Etappenerfolgen forcieren die Kinder- und JugendanwältInnen Österreichs einerseits eine Ausdehnung des Kinderbeistandes, andererseits die Bündelung der vielfältigen Unterstützungssysteme unter dem Dach eines "Außergerichtlichen Familienausgleichs".

Ein zweiter Themenschwerpunkt war der Umgang mit straffälligen Jugendlichen. Dazu stellte Psychologe und Gerichtssachverständiger Daniel Gutschner (A/CH) die Arbeitsweise in offenen und geschlossenen Einrichtungen abseits des Gefängnisses in der Schweiz vor. Circa zehn teilgeschlossenen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, die in herkömmlichen sozialpädagogischen WGs nicht mehr zu halten sind, gibt es dort. Bemerkenswert ist, dass diese Einrichtungen nicht als Strafe oder Form der Disziplinierung begriffen werden. So bestimmt die Schwere eines begangenen Delikts nicht zwingend die Dauer des Aufenthaltes. Diese ist vielmehr von den Bedürfnissen und Zukunftsperspektiven der Betroffenen (Nachreifung, Schulabschluss, Berufsweg etc.) sowie einer klaren Indikation abhängig. In Österreich gibt es vergleichbare Einrichtungen derzeit nicht.


JuQuest: Jugendliche im Niemandsland

7,2 Prozent aller Verurteilungen österreichweit entfallen auf Jugendliche. 2012 waren in Österreich insgesamt 593 Jugendliche in Haft. 2/3 wurden nach spätestens drei Monaten wieder entlassen. Der Anteil von psychischen Störungen bei Jugendlichen in Haft liegt bei 50 bis 90 Prozent. Was tun mit jugendlichen Delinquenten in der Sackgasse? Dieser Frage widmete sich die Tagung "Jugendliche im Niemandsland", die vom ExpertInnennetzwerk JuQuest Anfang April in Salzburg ausgerichtet wurde.

Aktuell ist die Situation in Österreich so, dass sich die wichtigsten AkteurInnen, nämlich Kinder- und Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Justiz, die Verantwortung für Zuständigkeit, Lösung und Scheitern noch gegenseitig zuschieben. Dabei ist längst klar, dass das Problem durch systemübergreifende Kooperation gemeinsam angepackt werden muss. Im Kleinen funktioniert das auch schon recht gut, wie sich in Salzburg an der Zusammenarbeit zwischen Justizanstalt, Gericht, Kinder- und Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Neustart und kija Salzburg zeigt.

Neben dem guten Willen aller Beteiligten braucht es aber sicherlich auch neue Ideen und Einrichtungen für straffällige Jugendliche. Inspirierend in diesem Zusammenhang der Vortrag von Walter Toscan, Gründer des Maßnahmenzentrums "Uus-Ziit" in der Schweiz: „Bei uns wird Sicherheit nicht durch Mauern gewährleistet – sondern durch gut ausgebildetes Personal.“ Für Jugendlichen, bei denen alle vorangeschalteten Hilfssysteme nicht fruchten, könnten Einrichtungen wie diese eine letzte Chance sein.

Zum Weiterlesen:

Tagungsbericht; Bericht SN; Experteninterview / Der Standard


Regionales

Erfreuliches ist aus der Region zu berichten. So konnte im vergangenen Monat die erste Lungauer MutMachen-Gruppe ausgebildet werden. Für bereits aktive MentorInnen fand eine spannende Fortbildung im Pongau statt. Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene Spiele. Spiele machen Spaß und man erwirbt dabei ganz nebenbei vielfältige Kompetenzen. MentorInnen können sie nutzen, um den Zugang zu ihren Mentees zu erleichtern. Nicht zuletzt war die kija Salzburg bei der "Spiritnight" (= Firmvorbereitung) der Katholischen Jugend in Bischofshofen mit dabei. Regionalbeauftragte Barbara Frauendorff spielte mit rund 200 Jugendlichen ein speeddating-Szenario durch. Dabei konnten die Firmlinge erfahren, welche Informationen über ihre Person sie gerne teilen und wo ihre Grenzen liegen. Diese Grenze auch im Internet zu wahren, ist die Herausforderung.

Die kija Salzburg erlebt das Interesse an psychosozialen Themen in Innergebirg als sehr hoch, was sicherlich auch mit dem Grad der Unterversorgung und den spezifischen regionalen Problemlagen zusammenhängt. Umso dramatischer die drohende Schließung des Kinderschutzzentrums im Pinzgau. Die Lücken, die jetzt noch weiter aufklaffen, werden kaum zu schließen sein.


Schweiz: Kritik am Umgang mit Intersex-Kindern

Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz hat seinen Schattenbericht an den UN-Kinderrechteausschuss übermittelt. Darin kritisiert es auch den Umgang mit intersexuellen Kindern, die medizinisch nicht notwendigen irreversiblen chirurgischen Eingriffen unterworfen werden. Das Netzwerk empfiehlt: " … gesetzgeberische Massnahmen zur Beendigung kosmetischer Genitaloperationen an betroffenen Kindern zu prüfen, die menschenrechtswidrige Praxis gegenü̈ber betroffenen Kindern und Jugendlichen historisch-gesellschaftlich aufzuarbeiten und Betroffene angemessen zu entschädigen."

Auch in Österreich kämpfen Betroffene gegen die Praxis an, Kinder nach der Geburt durch einen Eingriff "normkonform" zu machen.

Weitere Infos:

www.vimoe.athttp://blog.zwischengeschlecht.info


Termine

Symposium: Kindheit, Jugend & Gesellschaft

Wann: Mi 14. - Sa 17. Mai 2014

Wo: Festspielhaus Bregenz, Platz der Wiener Symphoniker 1, 6900 Bregenz


Wie ist im Miteinander der Generationen ein gutes Leben zu gestalten?
Beim Symposium der Welt der Kinder richtet sich der Blick auf Hintergründe und Einsichten aus vielen Wissensgebieten, was letztlich zum fruchtbaren Dialog zwischen den Generationen führen soll. Kinderarmut wird genauso Thema sein wie die Gestaltung öffentlicher Plätze von und für junge Menschen. Im Zentrum steht der Dialog.

Infos & Programm


Tagung: Betteln. Eine Herausforderung

Betteln als soziales Phänomen polarisiert. Das zeigte sich im vergangenen Gemeinderatswahlkampf ebenso wie im persönlichen Umgang. Eine professionelle Auseinandersetzung mit dem Thema tut also dringend Not. Daher veranstaltet das Friedensbüro Salzburg dazu eine Tagung:

Wann: Mo 12. bis Mi 14. Mai 2014

Wo: Bildungshaus St. Virgil, Ernst-Grein-Straße 14, 5026 Salzburg

Programm

Anmeldung: anmeldung(at)virgil.at; 0662-65901-514


Das Team der kija Salzburg wünscht Ihnen schöne Ostern! Laufende Infos rund um die kija Salzburg erhalten Sie auch auf: www.facebook.com/kijasalzburg

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Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) Salzburg, Gstättengasse 10, 5020 Salzburg
Tel: +43(0)662-430 550, Fax: +43(0)662-430 550-3010