Newsletter kija Sbg 07/20

Liebe Freund*innen der Kinderrechte!

Langsam machen sich die Sommerferien im Büro der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg bemerkbar, es ist ein bisschen ruhiger geworden und das spiegelt sich auch in diesem relativ kurz gehaltenen Newsletter wider. Es ist eine angenehme Verschnaufpause nach den doch recht herausfordernden letzten Monaten!

Von dieser Ruhe war bei den vierten Mutmachen-Tennistagen in Schwarzach allerdings wenig zu spüren. Mit insgesamt 14 Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 21 Jahren ging es ziemlich rund. Es wurde Tennis gespielt, im Freibad geschwommen, es gab leckeres Essen und vor allem, wie kija-Mitarbeiterin Christina Scherer erzählt, für viele das erste positive Erleben in einer Gruppe zu sein.

Besonders aufmerksam machen wollen wir Sie auch auf unsere Laptop-Aktion. Eine Woche ist noch Zeit, um uns dabei zu unterstützen, Laptops für Kinder und Jugendliche zu finanzieren. Denn: Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung und dabei spielen Internet und Computer eine zentrale Rolle! Weitere Informationen finden Sie in diesem Newsletter.

Viel Spaß beim Lesen!


Laptop-Aktion für Kinder und Jugendliche


Nicht nur beim Kinderrechtepreis tickt die Uhr (für Kurzentschlossene - diesen Freitag, den 31. Juli, endet die Deadline für Nominierungen!), sondern auch der Countdown für unsere Laptop-Aktion läuft langsam ab. Zum Zeitpunkt des Schreibens sind es laut der Crowdfunding-Seite Respekt.net noch genau "7 Tage 7 h 20 m 31 sec".

Auslöser für die Aktion war ein Mangel, der sich während Corona verstärkt bemerkbar gemacht hat. Zu Zeiten des Lockdowns waren Schüler*innen auf Computer und Internet angewiesen, um am "Home Schooling" teilhaben zu können. In vielen Familien und sozialpädagogischen Wohngemeinschaften fehlte es allerdings an Endgeräten, was nicht nur während des Lockdowns erhebliche Nachteile für die betroffenen Kinder mit sich brachte.

Aus diesem Grund läuft seit einigen Wochen die Laptop-Aktion der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg gemeinsam mit dem Verein APC-HELP. Insgesamt sollen 20 hochwertige, wieder in Stand gesetzte Geräte angeschafft und an Kinder und Jugendliche, die sie dringend benötigen, verteilt werden. Denn: Kinder und Jugendliche haben das Recht auf bestmögliche Bildung. Auf Grundlage der Chancengleichheit muss diese für alle Kinder unentgeltlich zugänglich sein - so ist es in Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention festgelegt.

Wir verfolgen den Countdown also weiterhin mit Spannung und hoffen auf Ihre Unterstützung, um unser Projektziel zu erreichen!

Nähere Informationen und Möglichkeiten zu spenden finden Sie auf der Crowdfunding-Seite Respekt.net


Mutmachen-Tennistage in Schwarzach

Abwechslungsreich war bei den Mutmachen-Tennistagen - die dieses Jahr zum 4. Mal stattfanden - nicht nur das Wetter. Unter der Leitung von Mutmachen-Mentor Florian Kößner wurde zwischen 22. und 24. Juli Tennis gespielt und eifrig trainiert. Doch daneben standen ein Ausflug mit dem Bummelzug, ein Besuch im Museum Tauernbahn, Downhill-Minigolf, Schwimmen im Freibad und viel leckeres Essen in der Sportlerkantine am Programm. Das eindeutige Mittagessen-Highlight war dabei der Kaiserschmarrn mit Apfelmus ;-)

An den drei Tagen nahmen insgesamt 14 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 21 Jahren teil. Für einige war es der erste Mini-"Urlaub" seit den Tagen des Lockdowns und die Freude an der Bewegung und den neuen Abenteuern und Erlebnissen mit den anderen Mentees war unübersehbar.

Während der erste Tag noch von zaghaftem Kennenlernen und vorsichtigem Herantasten geprägt war, endeten die Tennistage mit viel Gelächter, neuen Freundschaften und dem Gefühl, dass die Zeit wieder einmal viel zu schnell vergangen ist.

 

"Für viele Teilnehmende sind die Tennistage eine der wenigen Möglichkeiten um in einer Gruppe zu sein und sich mit Gleichaltrigen austauschen zu können. Was dabei besonders schön ist: zu beobachten wie sich die Kinder und Jugendlichen in diesem geschützten Raum langsam immer mehr öffnen und aufblühen... wie eine Lotusblüte!" (Christina Scherer, kija-Mitarbeiterin)

Österreichweites & Internationales

kijas Österreich: Stellungnahme zum Gesetzesentwurf für den Ethikunterricht


Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir - auf wenige Fächer trifft das wohl so zu wie auf den Ethikunterricht. Hier beschäftigen sich die Schüler*innen mit grundlegenden Fragen des Lebens und Zusammenlebens und entwickeln wichtige soziale Kompetenzen, wie Kritikfähigkeit, Reflexivität und Verantwortungsbewusstsein. Die kijas Österreich begrüßen deshalb den geplanten Ausbau des Ethikunterrichts, der bis dato nur im Schulversuch unterrichtet wurde. Der vorliegende Gesetzesentwurf beabsichtigt den Ethikunterricht als Pflichtschulfach einzuführen - ab dem Schuljahr 2021/22 soll "Ethik" aufsteigend in der AHS und den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen unterrichtet werden.

Allerdings sieht der Gesetzesentwurf vor, dass der Ethikunterricht nur für jene Schüler*innen verpflichtend ist, die keinen Religionsunterricht besuchen. Religionsunterricht und Ethikunterricht unterscheiden sich jedoch wesentlich voneinander. Die kijas Österreich empfehlen daher, dass der Ethikunterricht konfessionsunabhängig für alle Schüler*innen gemeinsam stattfinden soll. Nur so hat der Ethikunterricht das Potential, eine positive Wirkung zu entfalten und es allen Schüler*innen zu ermöglichen, in einen Dialog miteinander zu treten, die eigene Position zu reflektieren und sich mit unterschiedlichsten Positionen und Lebensentwürfen auseinanderzusetzen. Als reguläres Unterrichtsfach könnte der Ethikunterricht dann einen wesentlichen Beitrag zur ethischen Bildung und Entwicklung von Demokratiekompetenzen von Schüler*innen leisten.

Der Link zur Stellungnahme der kijas Österreich.

 


Erfolg eines langen Kampfes: Erster Geschlechtseintrag „inter“ in Österreich

Vier Jahre hat es gedauert. Nun ist es endlich geschafft - Alex Jürgen hat als erste Person in Österreich die Eintragung "inter" in der Geburtsurkunde erkämpft. Obwohl der Verfassungsgerichtshof und das oberösterreichische Landesverwaltungsgericht den Eintrag "inter" für zulässig erklärten, wurde die Umsetzung aufgrund politischer Widerstände über mehrere Jahre hinweg verzögert.

Die Möglichkeit sich selbst definieren zu können ist wesentlich für die Selbstbestimmung von inter* Personen. Dazu gehört auch die Freiheit, über den eigenen Körper entscheiden zu können. Im Jahr 2015 forderten die kijas Österreich deshalb einen Stopp angleichender Operationen bei intersexuellen Neugeborenen, denn Kinder sollten selbst über ihren Körper und ihre Geschlechtsidentität entscheiden können. Eine weitere wichtige Forderung damals wie auch heute: die Entpathologisierung der Intersexualität unter dem Motto des Positionspapiers "Die Norm dem Kind anpassen, nicht umgekehrt".

Leider gibt es in diesem Bereich immer noch viel zu tun. Zuletzt rügte der UN-Kinderrechtsausschuss im Jänner 2020 Österreich für nicht notwendige Behandlungen an inter* Kindern. In den Concluding Observations werden diese als „schädliche Praxis“ kritisiert und ein Ende nicht notwendiger Eingriffe gefordert. Zusätzlich verweist der Ausschuss auf eine mangelnde Datenlage in Bezug auf durchgeführte medizinische Behandlungen und verortet hier Handlungsbedarf, um intergeschlechtliche Kinder vor schädlichen Eingriffen zu schützen. Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht geht einen Schritt weiter und fordert das strafrechtliche Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen, die "atypische" Geschlechtsmerkmale aufweisen. Es müssen außerdem, so die Gruppe, Voraussetzungen geschaffen werden, um erwachsenen Betroffenen von IGM (Intersex Genital Mutilation) später eine Klage zu ermöglichen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie beim Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ)

Die Beratungsstelle Courage bietet kostenlos und anonym Beratungen für LGBTIQ*Personen sowie ihren Familien und Angehörigen an.

Tipps

Prozessbegleitung: Informationsbroschüre in 16 Sprachen


Während des Lockdowns berichtete die Notrufnummer "Rat auf Draht" von einem Anstieg von Anrufen um ein Drittel - psychische und physische Gewalt waren dabei zentrale Themen. Ähnlich verzeichnete man bei der von der kija Salzburg mitiniierten Kidsline eine Verdopplung der Beratungsgespräche. Doch Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist auch abseits von Corona keine Ausnahme. Dabei sind Kinder nicht nur selbst Opfer von Gewalt, sondern müssen auch immer wieder als Zeug*innen Gewalt erleben, was ebenso zu massiven Traumatisierungen führen kann.

Kinder haben das Recht auf Schutz vor Vernachlässigung und Gewalt in jeglicher Form. Sowohl als Opfer als auch als Zeug*innen von Gewalt haben sie (und auch Erwachsene) einen Anspruch auf Prozessbegleitung - einen kostenlosen psychosozialen und juristischen Beistand während der schwierigen Zeit der Ermittlungen bis zum Ende des Verfahrens. Ziel der Prozessbegleitung ist es, Belastungen für Kinder zu minimieren und ihren rechtlichen Status vor Gericht zu verbessern.

EinInformations-Folder zum Thema Prozessbegleitung steht nun in insgesamt 16 Sprachen zur Verfügung. Der deutschsprachige Folder ist online oder in gedruckter Form beim Managementzentrum Opferhilfe erhältlich, andere Sprachen stehen online zum Download bereit oder können bei Bedarf beim MZ.O bestellt werden.

Weitere Infos zum Thema Gewalt an Kindern und Jugendlichen finden Sie in unserer Broschüre "Jede Träne ist ein Wasserfall"

Im Bundesland Salzburg ist das Kinderschutzzentrum für die Durchführung der Prozessbegleitung verantwortlich. Es informiert Kinder und Angehörige und hilft bei der Entscheidung für oder gegen eine Anzeige. Die Kontaktaufnahme erfolgt auf Wunsch anonym, alle Informationen werden streng vertraulich behandelt! Termine und Infos: beratung(at)kinderschutzzentrum.at


Zu guter Letzt noch für all jene, die dieses Jahr in Österreich Urlaub machen: Die Mitarbeiter*innen der Österreichischen Jugendinfos und Jugendkarten haben zusammen mit jungen Menschen eine Liste der schönsten Orte in Österreich zusammengestellt.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen noch einen schönen Sommer!

 

Laufende Infos rund um die kija Salzburg finden Sie auf www.kija-sbg.at, unter www.facebook.com/kijasalzburg und jetzt auch auf Instagram.

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Tel: +43(0)662-430 550, Fax: +43(0)662-430 550-3010