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Der schlimmste Tag im Leben ...

Zwangsverheiratung ist ein Problem ferner Länder und ferner Kulturen? Falsch! Auch in Österreich werden Mädchen und Jungen zwangsverheiratet. Zwangsverheiratungen passieren in der Stadt, am Land und inmitten unserer Gesellschaft, oftmals bleiben sie jedoch völlig unbemerkt. In Salzburg wird nun eine Offensive gestartet.

Aneinandergekettetes Brautpaar.

Bild: Auch in Österreich werden Mädchen und Burschen zwangsverheiratet.

Eine Zwangsverheiratung ist eine massive Gewaltanwendung gegen die Betroffenen, sie ist keine familiäre oder gar kulturelle "Angelegenheit", sondern eine Kinder- und Menschenrechtsverletzung. Dennoch wird das Problem in Österreich noch viel zu wenig erkannt. Dabei ist besonders dramatisch, dass von dieser Form der sexualisierten Gewalt besonders häufig minderjährige Mädchen und Jungen betroffen sind. Zwangsverheiratung betreffen alle Kulturkreise, auch österreichische StaatsbürgerInnen, die in der zweiten oder dritten Generation hier leben. Verbindliche Zahlen zu Zwangsverheiratungen in Österreich existieren aktuell nicht. Grund dafür ist nicht, dass es das Problem nicht gibt, sondern, dass es weitestgehend verdrängt wird.

Salzburger Offensive gegen Zwangsverheiratung

Mit dem Ziel, diese folgenschwere Untätigkeit zu durchbrechen, hat sich bereits 2006 die ARGE gegen Zwangsverheiratung in Salzburg gegründet. In der Vergangenheit lag der Fokus der ARGE bei der Schulung von MultiplikatorInnen, nun will man offensiv an die Öffentlichkeit gehen, erklärt ARGE-Leiterin Teresa Lugstein bei der Auftaktveranstaltung am 15. Juni 2011 im Schloss Mirabell:

"Ab sofort wollen wir mit Infofoldern und Workshops in die Schulklassen gehen und das Thema Zwangsverheiratung zu den jungen Menschen bringen. Viele der Betroffenen haben Angst oder schämen sich darüber zu sprechen, weil dies als Familienverrat gilt. Ziel ist es, diese Angst zu durchbrechen und die jungen Menschen zu ermutigen, sich rasch an uns zu wenden, um so dieser massiven familiären Gewalt zu entgehen. Erfahrungsgemäß wird mit den Workshops die Zahl der Betroffenen, die sich an uns wenden, rasch ansteigen."

Lebensbedrohliche Fälle – fehlender Schutz

Doch bereits in der Vergangenheit sind Fälle von Zwangsverheiratung in Salzburg bekannt geworden, die sich an die Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg wandten. Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt berichtet von den Schwierigkeiten mit diesen Fällen:

"Die jungen Frauen und Mädchen, die sich in der Vergangenheit an uns wandten, wurden massiv von ihren Familien und/oder Clans bedroht, bei einigen kann man sagen, dass sie sich in akuter Lebensgefahr befanden. Die Mädchen sind meist völlig zerrissen zwischen ihrer Angst und ihrer Familie, gerade deshalb braucht es in Österreich dringend eine Einrichtung, wo die Mädchen rund um die Uhr geschützt sind und betreut werden."

Viele Zwangsverheiratungen in den Sommerferien

Um von Zwangsverheiratungen bedrohte Mädchen und Buben zu erreichen, wird die ARGE gegen Zwangsverheiratung in den nächsten Wochen noch verstärkt in den Schulen präsent sein. Dabei wird sie auch den neuen Infofolder, der im "make-it Büro für Mädchenförderung des Landes Salzburg" in vielen verschiedenen Sprachen kostenlos bestellt werden kann, unter die jungen Leute bringen. Die ersten beiden Workshops konnten bereits am Tag der Auftaktveranstaltung in einer Salzburger Schule stattfinden.

Für die ARGE Zwangsverheiratung sind die Schulen und die LehrerInnen wichtige PartnerInnen beim Einsatz gegen die Zwangsheirat, sind doch die Schulen der Ort, an dem die von Zwangsverheiratung bedrohte oder betroffene Mädchen und Jungen über ihre Ängste reden können. Bis Schulende sollen noch einige Workshops gehalten werden, nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Zwangsverheiratungen in den Sommerferien stattfinden.

Endlich Handeln - Die wichtigsten Forderungen

Die Auftaktveranstaltung der ARGE Zwangsverheiratung stieß auf reges Interesse, auch unter den anwesenden PolitikerInnen. Nun ist es aber Zeit, dass langjährige Forderungen, die zum Teil sogar schon im Regierungsübereinkommen stehen, endlich umgesetzt werden.

Für die LAbg. Ingrid Riezler ist es wichtig,  dass vor allem junge Frauen frühzeitig informiert und Zwangsehen nicht tabuisiert werden. Sie äußerte sich folgendermaßen: "Ich bin froh, dass die ARGE Zwangsverheiratung diese den Menschenrechten widersprechende Tradition öffentlich thematisiert und Aufklärung betreibt. Zwangsheirat hat im 21. Jahrhundert in unserer Gesellschaft nichts mehr verloren. Es ist eine Form der Gewalt, die nicht zu tolerieren ist."

Die LAbg. Brigitta Pallauf meint dazu "Es geht hier um ein gesellschaftliches Thema und nicht um Gepflogenheiten oder Unantastbarkeiten von Traditionen. Diese Aktion ist wichtig für Menschenrechte, für mehr Sensibilisierung und mehr Bewusstseinsbildung in Salzburg."

"Während es in Deutschland ein eigenes Gesetz gegen die Zwangsehe gibt, fällt diese in Österreich noch immer unter den Tatbestand der schweren Nötigung. Hier muss der Gesetzgeber härtere Bandagen anlegen und die Zwangsehe analog zu Deutschland als eigenen Strafrechtstatbestand einführen. Zwangsehe darf nicht zu einem unterschätzten Problem in Österreich werden",  betonte Martin Panosch.

Forderungen der ARGE Zwangsverheiratung:

• Errichtung einer österreichweiten Zufluchtsstelle, auch für Minderjährige, die Schutz  gewährt und Betreuung bereitstellt;

• Bis zur Errichtung dieses Hauses soll das Frauenhaus Salzburg für Akutfälle auch minderjährigen Mädchen zur Verfügung stehen;

• Durch Öffentlichkeitsarbeit Sensibilisierung für das Problem erreichen, Schlüsselfiguren wie PädagogInnen, RichterInnen, usw. schulen;

• Geld und Ressourcen für Präventions-, Informations- und Elternarbeit bereitstellen.

Dies ist eine Presseaussendung der ARGE gegen Zwangsverheiratung.

Broschüre "Zwangsverheiratung. Nein!"

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