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Raunen, Papierkügelchen & ein fieses Grinsen

Zu wenig Ressourcen für das Mobbingproblem an Salzburgs Schulen.

 

Andrea Holz-Dahrenstaedt, Marion Wirthmiller und Alexander Müller (alle kija Salzburg) mit der Mobbingexpertin Mechthild Schäfer (Uni München).

Bild: Die kija Salzburg setzt sich dafür ein, dass in Salzburgs Schulen etwas gegen Mobbing unternommen wird.

Wieder einmal ist ein Fall von Mobbing in den Schlagzeilen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) Salzburg ist als Anlaufstelle für alle Kinder und Jugendlichen seit jeher auch Anlaufstelle für Schüler und SchülerInnen, die gemobbt werden. Die Opfer zu unterstützen ist wichtig für die einzelnen, am System, in dem gemobbt wird, ändert das jedoch wenig. Im letzten Jahr hat die kija Salzburg deshalb intensiv in den Schulklassen zum Thema Mobbing gearbeitet und 3.200 SchülerInnen erreicht. Dabei wurde oft und oft eindrücklich geschildert, wie sogenannte "Kleinigkeiten", z. B. ein Raunen, wenn das Opfer den Raum betritt, Papierkügelchen, die es treffen, oder Zettelchen, die hinter dem Rücken verteilt werden, das Selbstwertgefühl der/des Betroffenen sukzessive zerstören.
"Gemobbte Kinder verlieren jedes Gefühl von Sicherheit, für sie ist nur sicher, dass 'es' heute wieder passieren wird und sie dann wieder saublöd dastehen", schildert Referentin und Mobbingexpertin Mechthild Schäfer von der Universität München die Situation, in der sich viele Kinder und Jugendliche in unseren Schulen tagtäglich befinden. Es braucht daher dringend Auseinandersetzung mit dem Thema an den Schulen. Der Bedarf danach ist groß, die Ressourcen reichen bei weitem nicht aus!

Keine Zeit zum Reden & niemand, der zuhört

Um ExpertInnen und Vertretern aus der Politik diese alarmierende Lage darzulegen, hat die kija Salzburg am 22. November 2011 die Fachtagung "Damit Mobbing keine Schule macht" veranstaltet. Denn, soviel ist klar, Schüler und Schülerinnen müssen auf den Schutz aus der Erwachsenenwelt vertrauen können, nicht zuletzt ist das Kinderrrecht auf Schutz vor Gewalt auch Verfassungsgesetz. Bei der dicht besuchten Veranstaltung im BRG-Akademiestraße führte die kija Salzburg die Fäden zwischen Wissenschaft, Schule & Ausbildung und Politik zusammen.
Besonders aufschlussreich waren dabei die von Schäfer präsentierten neuesten Forschungsergebnisse aus dem Bereich. Demnach berichten 44 Prozent der gemobbten Kinder und Jugendliche niemanden von ihrem Martyrium und bleiben in ihrer Not allein. Gleichzeitig würden sich laut Erziehungswissenschafterin Daniela Schober befragte Kinder und Jugendliche an allererster Stelle mehr Zeit und Raum für Gespräche in der Klasse wünschen, um sich mit Problemen wie z. B. Mobbing auseinanderzusetzen.
Der Handlungsauftrag ist offensichtlich, bei Mobbing braucht es Menschen, die sich verantwortlich fühlen, eingreifen und Konsequenzen setzen. Das können und sollen Lehrer und Lehrerinnen sein, in manchen Fällen wird auch Hilfe von außen nötig sein, z. B. durch eine Mobbingpräventionsstelle, deren Errichtung die kija Salzburg schon lange fordert. Bis dato gibt es in Salzburg keine Mobbingstelle, an die sich betroffene SchülerInnen niederschwellig wenden können.

Mobbing darf nicht zur Erfolgsstory werden

Wird Mobbing jedoch ignoriert und ausgeblendet, geht es oft so weit, dass der/die betroffene SchülerIn die Klasse verlässt. Geschieht dann immer noch nichts in der Klasse, wird sich diese rasch das nächste Opfer suchen, denn dann hatten die TäterInnen Erfolg mit ihrer Machtausübung und werden sich daher auch nicht ändern. Mobbing ist niemals ein Einzelproblem, es betrifft immer die gesamte Klasse. Es muss also das gesamte Schul- und Beratungssystem aktiv gegen Mobbing auftreten. Neben dem nötigen Know-how braucht es dafür aber vor allem zeitliche und personelle Ressourcen.
Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt fordert, dass in Salzburg endlich als erster Schritt zumindest eine Planstelle finanziert wird, um die vielen Anfragen bewältigen zu können. "Wenn man sich vor Augen führt, welche weitreichende Folgen - auch finanzieller Art - Mobbing hat, wird der Kosteneinwand in punkto Prävention ad absurdum geführt. Die kija Salzburg verfügt über das Know-how, um gegen Mobbing aktiv zu werden. Was jetzt noch fehlt, ist da 'Ja' der Politik." Längerfristiges Ziel der kija Salzburg ist eine Mobbingpräventionsstelle nach oberösterreichischem Vorbild, angehängt an die kija und ausgestattet mit mehreren MitarbeiterInnen.

Wie geht's in Salzburg weiter ...

Zumindest die Wortmeldungen am Podium und auch aus dem Publikum stimmen zuversichtlich, dass sich auch in Salzburg zum Thema Mobbingprävention schon bald etwas bewegen könnte. So verspricht der Rektor der Pädagogischen Hochschule Josef Sampl, in der Ausbildung von LehrerInnen Mobbing verstärkt zum Thema zu machen, und Landesschulratspräsident Herbert Gimpl sprach sich ebenso wie die Abgeordneten Cyriak Schwaighofer (Die Grünen) und Friedrich Wiedermann (FPÖ) für ein mehr an Prävention aus. Um diesen Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen und die eklatante Lücke im Beratungsnetz endlich zu schließen, hat die kija Salzburg eine Petition gestartet, die bis 15. Februar 2012 läuft und auch online unter www.kija-sbg.at unterzeichnet werden kann.

Die Forderungen der Petition lauten:

1. Alle Schulen müssen dazu befähigt werden, Gewaltprävention innerhalb des Systems Schule selbst zu leisten. Krisenteams und Schulsozialarbeit an jedem (größeren) Schulstandort sind notwendig.


2. Alle Kinder und Jugendlichen müssen eine kompetente Ansprechperson zum Thema Mobbing und Gewalt im schulischen und außerschulischen Bereich zur Verfügung haben.


3. Installierung einer neutralen, außerhalb der Schule stehenden, Mobbingstelle für Kinder und  Jugendliche.

Bilder sind ganz unten zum Download angehängt:

Bild 1: Die kija Salzburg setzt sich dafür ein, dass in Salzburgs Schulen etwas gegen Mobbing unternommen wird. Im Bild:  Andrea Holz-Dahrenstaedt, Marion Wirthmiller und Alexander Müller (alle kija Salzburg) mit der Mobbingexpertin Mechthild Schäfer (Uni München).

Bild 2: Am Podium (v. li.): Mechthild Schäfer (Uni München), Herbert Gimpl (Landesschulratspräsident), Cyriak Schwaighofer (LAbg. Die Grünen), Andrea Holz-Dahrenstaedt (Kinder- und Jugendanwältin Salzburg), Josef Sampl (Rektor der Pädagogischen Hochschule Salzburg), Friedrich Wiedermann (LAbg. FPÖ), Michael Wörgötter (Moderation).

Bild 3: Andrea Holz-Dahrenstaedt übergibt den "Cyberhelp – Jugendliche beraten Jugendliche" ein Glücksschwein. Cyberhelp Salzburg ist auf facebook aktiv und berät mit Unterstützung der kija Salzburg Jugendliche mit Mobbingproblemen.

Bild 4: Am Podium (v. li.): Mechthild Schäfer (Uni München), Herbert Gimpl (Landesschulratspräsident), Cyriak Schwaighofer (LAbg. Die Grünen), Andrea Holz-Dahrenstaedt (Kinder- und Jugendanwältin Salzburg), Josef Sampl (Rektor der Pädagogischen Hochschule Salzburg), Friedrich Wiedermann (LAbg. FPÖ), Michael Wörgötter (Moderation).

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