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Erfahrungen in der Jugendkommunikation

Conny Grünwald, Beraterin bei der kija Salzburg, über ihre Erfahrungen mit früheren "peers", die plötzlich zu "Digital Immigrants" werden und darüber, warum die Jugend mit facebook nicht untergeht.

Jugendlicher vor dem Computer.

Bild (Joujou / pixelio): Hilfe, "unsere Jugendlichen" kommunizieren über Online-Plattformen und wir verstehen nur noch Bahnhof ...

Auswirkungen auf die jungen Menschen - ein Problemfeld!?

Ein junges Paar schritt im Gleichschritt auf gleicher Höhe  den Gehsteig entlang. Kein ungewöhnlicher Anblick. Allerdings sah man in diesem Moment gerade vier Personen miteinander kommunizieren. Denn: Beide hielten je ein Handy am rechten Ohr sowie eine Zigarette in der linken Hand.  Also: vor 25 Jahren hätte es so was nicht gegeben! Da wurden Hits auf Kassette aufgenommen und stundenlang lautest abgespielt. Auch boten zu Hause die überhöhten Festnetztelefonrechnungen immer wieder willkommene, rhetorisch  temperamentvolle "Diskussionsforen". Doch: Sokrates, schau herab! Sein vermeintliches Zitat, "Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Sie widersprechen ihren Eltern,  verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer." wurde selbstverständlich auch für die damalige Jugend bemüht. Die Generation "No-future" schlecht hin, auch heute "Digital Immigrants" genannt. Noch trefflich in Erinnerung ist mir, quantitativ übertriebene Kommunikation mit Erwachsenen eher in Grenzen zu halten und wirklich wichtige Dinge in meinem Alterskreis, den heute sog. "peers" auszutauschen. Wie mir das gelungen ist, so ohne sms und facebook, ist mir allerdings im Nachhinein gesehen schleierhaft.

Die "peers" von damals sind heute "Digital Immigrants"

Nachdem ich zu obiger Selbsterfahrungsfrage keine Antwort habe, beende ich nun mein Outing und stürze mich direkt auf die Problemfelder – sprich Defitzite – in der heutigen Jugendkommunikation. Den Fokus auf Probleme anderer zu richten ist schließlich schon aus psychohygiensichen Gründen ein netterer Zugang. Mark Prensky hat diese Zielgruppe als "Digital Natives" tituliert. Lautes Musikmainstreem-Gedröhne findet nur noch in den Köpfen der Jugendlichen statt. Dank Technik bekommt man nicht einmal in Bus und Zug eine Ahnung vom Musikgeschmack der jüngeren Generation. Versucht man eigene Kinder dringend telefonisch zu erreichen, scheitert man genauso kläglich wie an einem Achtelanschluss der 70er.

Logisch: Der Umstand, quantitativ übertriebene Kommunikation mit Erwachsenen eher in Grenzen zu halten, vererbt sich offenbar weiter oder hat mit der Darvinschen Evolutionstheorie zu tun. Jedenfalls ist es doch erfreulich, eine kleine Gemeinsamkeit zwischen den Generationen zu finden. Und ich habe so den Verdacht, dass es eine Form der Kommunikation zwischen Jugendlichen gibt, die sich uns "Digital Immigrants" einfach entzieht. Denn wie sonst können wir glauben, dass es sich bei der Art der heutigen Jugendkommunikation um ein Problemfeld handeln könnte?

Beobachtbar ist, dass Jugendliche  viel in schriftlicher Form kommunizieren und sich dabei auf  Wesentliches beschränken. PädagogInnen sind daher nicht mehr dazu gezwungen, Füllwörter meiner Generation zu streichen. In meiner Arbeit mit Jugendlichen erlebe ich Folgendes: bei Workshops sind sie überrascht, wenn sie aufstehen und sich bewegen sollen, was durchaus Folge des Frontalunterrichts sein kann. Auch erleben es Jugendliche leichter, zunächst einmal kurz und schriftlich Anfragen bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft zu erstellen. Doch: sobald die Vertrauensbasis hergestellt ist, ist fast immer ein persönliches  Beratungsgespräch gewünscht.

Werte im web 2.0

Junge Menschen sind sich zwar nicht immer bewusst, dass das Internet sich alles merkt, aber sie sind wesentlich besser und effizienter in der Lage, es zu nutzen. Wir Immigrants sollten Respekt vor diesem Wissen zeigen und die komplett andere Form der Kommunikation respektieren. Aber wir müssen eine Begleitung und eine Beziehung anbieten. Sowohl real als auch virtuell. Wir dürfen Jugendliche in den gefährlichen Bereichen des web 2.0 nicht einfach alleine lassen, nur weil wir uns selbst davor fürchten. Wir müssen da sein, Werte wie Gewaltfreiheit, Solidarität und Umweltschutz mit-tels heutiger Methoden vermitteln und sie vorleben. Wenn man von Jugendlichen Kommunikation erwartet, die vor mehreren Jahrzehnten gepflegt wurde, entfernen wir uns in der Beziehung zu ihnen und bringen uns um unsere eigene Nostalgie. Aber eines steht zumindest fest: Wir können rechtschreiben!

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