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Kommentar: Ihr Leben ist aus den Fugen geraten

Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche

Andrea Holz-Dahrenstaedt

Bild: S. Schenker / BB

Immer lauter warnen Fachleute aus den Bereichen Kindergesundheit und Kinderschutz so wie auch wir Kinder- und JugendanwältInnen vor den dramatischen Auswirkungen des Lockdown auf das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen. Das Schließen von Kindergarten und Schule, die Beschränkungen der sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen, Großeltern und FreundInnen, die Isolation zu Hause, die Überlastung der Eltern sowie die Bewegungseinschränkungen im öffentlichen Raum bedeuten schwerwiegende Einschnitte in die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Ganz besonders schwer trifft es Kinder aus gewalt- und konfliktbelasteten Familien, Kinder psychisch oder chronisch kranker Eltern, Kinder mit Behinderung und geflüchtete Kinder. Kommen dann auch noch beengte Wohnverhältnisse hinzu, kann der Druck sehr schnell sehr stark steigen.

Zuletzt sprach auch UN-Generalsekretär Guterres von Kindern als der hauptbetroffenen Bevölkerungsgruppe. Mit gutem Grund appellierte er an alle Staats- und Regierungschefs, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Auswirkungen der Corona-Krise auf die verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft abzufedern.1 Im tagespolitischen Diskurs stehen die Bedürfnisse der Kinder leider nicht an erster Stelle:

  • Es wird intensiver nachgedacht, wie die Grenzen für den Tourismus rasch wieder öffnen können, als wie wir Kindern und Eltern ihr binationales Recht auf Familie ermöglichen.
  • Es wird intensiver diskutiert, wie man SpitzensportlerInnen ein Training ermöglicht, als wie man die Sportplätze für Jugendliche rasch öffnen könnte.
  • Sukzessive werden Gewerbeflächen geöffnet, doch die Öffnung der Kindergärten als elementare Bildungseinrichtungen müssen noch warten.

Es scheint, als bestünde unsere Welt nur noch aus Pandemiebekämfung und Wirtschaftsankurbeln. Man spricht von Systemrelevanz und vergisst dabei die insbesondere die Kinder. Dabei sind Kinder die systemrelevanteste Gruppe überhaupt!

Daher braucht es JETZT dringend eine Gesundheitsfolgenabschätzung. Denn Gesundheit bedeutet nicht ausschließlich, frei von einer Corona-Infektion zu sein. Gesundheit ist laut WHO ein weit zu fassender Begriff und umfasst das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden. Letztlich geht es also um eine Abschätzung der Verhältnismäßigkeit: Corona-Eindämmung versus sonstige nachteilige Auswirkungen auf junge Menschen, so wie es auch das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern2 vorsieht: Art. 1 des BVG Kinderrechte besagt, dass "bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein muss". Beschränkungen von Kinderrechten, wie aktuell zum Schutz der Gesundheit, sind nur zulässig, insoweit sie gesetzlich vorgesehen und absolut notwendig sind.

Um das Risiko gänzlich zu minimieren, müssten wir Kinder unter einen Glassturz stellen. Doch dann würden die Kinder schwer erkranken. Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung Berührung, Nähe, einfühlsame Beziehungen, Kontakte zu Gleichaltrigen, Raum, um die (Um-)Welt motorisch sensitiv und kognitiv zu erfahren. Nicht umsonst heißt es in einem afrikanischen Sprichwort: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf!“ Nun ist Kindern und Familien dieses Dorf abhandengekommen!

Daher wiederholen wir unseren dringenden Appell an alle EntscheidungsträgerInnen, das Wohlergehen junger Menschen sicherstellen: durch Einbindung von KinderrechtsexpertInnen in allen relevanten Krisenstäben, durch Anerkennung der psychosozialen Dienste als systemrelevant, durch Einrichtung eines eigenen Kinderrechts-Ministeriums, durch Ernstnehmen des Bundesverfassungsgesetzes über die Rechte von Kindern, durch finanzielle Schutzschirme und Bildungsförderprogramme für Kinder aus benachteiligten Familien, durch intensive und gezielte Einbindung von Kindern in die COVID-19 Forschung, durch Modellprojekte und durch kreatives Nachdenken und Finden von Lösungen im Sinne einer Risikoabwägung auf allen Ebenen und Gremien!

Die Welt ist in einer globalen Krise. Finden wir dennoch nachhaltige Wege, um dieses Dorf für die Kinder wiederaufzubauen. Sie sind auf unseren Schutz angewiesen. Schauen wir aufeinander, schauen wir auf die Kinder!

1https://unric.org/de/17042020-kinder/
2BGBl. I Nr. 4/2011

 

 

 

 

 

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